Kopfkino

Blöde Party. Millionen Worte, alle ohne Inhalt. Worüber sollte man auch reden mit den Kollegen? Politik, Religion, überhaupt Meinungen? Nein, auf keinen Fall. Die Arbeit? Das taten sie jeden Mittag in der Pause und wann immer sie sich irgendwo begegneten. Persönliches? Warum sollte sie mit Kollegen über persönliche Themen sprechen? Das ging die doch gar …

Jagdfieber

Dieser Weihnachtsmarkt bot zumindest ein wenig Abwechslung. Ben folgte Jelena durch die mittelalterlich wirkenden Zelte. „Schau mal, das ist doch was für dich!“ Jelena verschwand nach rechts, er sah nur noch ihre bunte handgestrickte Mütze zwischen all den Köpfen. Ein Stand mit Bogen und Pfeilen. Ja, er hatte früher einmal Bogenschießen als Sport ausgeübt, aber …

24/7

24 Stunden, 7 Tage die Woche. Für die Nichteingeweihten: Gemeint ist die Unterwerfung unter den Partner, nicht die Öffnungszeit des Supermarktes. Von manchen wird die Variante als TPE bezeichnet, Total Power Exchange, andere schließen einen Sklavenvertrag, der den submissiven Part ganz dem Dominanten übereignet. Das ist keine Rolle, die man spielen, keine fremde Haut, in …

Hassliebe

Dieses eine Teil, das er aus „der“ Schublade zieht, macht mich wahnsinnig. Wir besitzen es seit ungefähr einem halben Jahr und ich kann mich nicht entscheiden, ob ich es liebe oder hasse.  Es handelt sich um einen Massagestab, auch Body Wand oder Magic Wand genannt.  Was das ist? Ein Vibrator, aber mit ganz viel Power …

Master and Slave

Im Baumarkt-Prospekt ist eine Steckdosenleiste abgebildet.  Wie bitte?  Alle, die etwas mit Technik anfangen können, wissen Bescheid. Für die anderen stellt sich vermutlich die Frage, was hat der Baumarkt mit BDSM zu tun?  Nun, außer der Tatsache, dass es dort die interessantesten Spielzeuge gibt (und ich seitdem freudig nicke, sobald mein Liebster einen Besuch im …

Federleicht

Sie liegt auf dem Rücken, Handgelenke und Knöchel fixiert, eine schwarze Augenbinde, die auch die Nase bedeckt, raubt ihr zumindest diesen Sinn vollständig. Nicht die anderen. Ja, es stimmt, die anderen Sinnesorgane laufen dafür auf Hochtouren, sobald einer von ihnen ausgeschlossen wird. Das Riechen ist nur leicht eingeschränkt, kleine Löcher in der Maske sorgen für …

Schläge und Schläge

Angeregt von einem Artikel über Meat Loaf bei Kleine Schwanzlutscherin erinnere ich mich an meinen Lieblingssong „Objects in the Rear View Mirror“, in dem er unter anderem von seinem prügelnden Vater erzählt. Dazu passte dann die Story von Ela´s World, die ihre Kindheit aufarbeitet. Schläge in der Kindheit. Sie verletzen so viel mehr als die …

Eine Berührung

wordle berührung

Er streichelt mir im Vorbeigehen über den Hintern.

Etwas erwacht tief in mir. Erst ein winziger Funke, dann ein Flämmchen. Unsere Küche ist klein, weswegen ich mit einer unscheinbaren Bewegung eine Berührung haben kann. Meine Hüfte an seinem Po. Dazwischen Stoff, seine Hose, meine Hose, sein Slip. Der Stoff, der sich als dünnes Band zwischen meine Backen schmiegt, ist nicht der Rede wert.

Woran liegt es? Kann ich den Atem hören? Entsteht ein elektrisches Feld zwischen unseren Körpern? Was auch immer es ist, es ist spürbar, wenn auch nicht messbar. Sex ist in der Luft. Noch schwach, nicht brennend, aber wie eine Flamme, die über die Haut streicht.

Er übt Druck aus, hält gegen meine Berührung an. Dadurch vergrößert sich die Fläche, der Ellbogen kommt hinzu, der sich in meinen Rücken drückt, der Oberarm. Hier sind es nur zwei dünne Lagen, sein T-Shirt und meine Bluse. Hier spüre ich Körperwärme zusätzlich zu dem köstlichen Druck.

Ich liebe Berührungen, egal wie und wo. Ich bin ein sehr haptischer Mensch, brauche Körperkontakt, fingere gerne an dem Stoff seines Hemdes, lege meine Hände auf seinen Schenkel oder streichle durch sein Haar. Weshalb es mich verrückt macht, wenn er mich fesselt, mich daran hindert, meiner Sehnsucht nachzugeben, ihn zu berühren.

Haut ist ein so wundersames Organ, so großflächig, sensitiv, so unterschiedlich in Textur und Form, dass ich sie stundenlang erforschen könnte, jede glatte genauso wie jede faltige Stelle ertasten, jede Temperaturänderung, jeden Feuchteunterschied erfühlen möchte.

Ich mache eine reibende Bewegung, wie eine Katze, die ihren Besitzer kennzeichnen will. Genauso möchte ich ihn kennzeichnen, mit meinem Duft, Spuren hinterlassen, die uns binden, unsere Zusammengehörigkeit beweisen.

Ich muss an andere Möglichkeiten denken, an andere Situationen, sie springen in mein Bewusstsein wie Lichtstrahlen durchs Blätterdach. Situationen, in denen er mich markiert hat, mehr als nur seinen Duft auf mir hinterlassen hat.

Ach, dieses berauschende Gefühl von Erregung, die sich langsam in meinem Körper ausbreitet. Wärme, aber noch viel mehr. Nervenbahnen aktivieren sich, leiten erinnerte Berührungen ans Hirn, Muskeln erwärmen sich und zucken probeweise, Sinne werden achtsam ausgerichtet auf kleinste Zeichen von Stimulation. Dort unten, in meinem Zentrum, wo sich alles konzentriert, laufen alle Nachrichten zusammen, werden sofort umgesetzt in Vorbereitungen, produzieren Feuchte, lassen anschwellen, schwemmen sauerstoffgetränktes Blut in die Zellen. Atem beschleunigt sich, Herzschlag auch, damit alles versorgt werden kann, Speichel fließt.

Und das alles in wenigen Sekunden, ausgelöst durch eine einfache Berührung, ein Streifen von Fingern, sanftem Druck, wohlbekanntem Duft, wortloser Liebe.